Ein paar Zahlen ...

  • Ich bin zwischen 35 und 40
  • meine beiden Kinder zwischen 12 und 20
  • mein Mann knapp Mitte 40 
  • zusammen sind wir seit etwa 8 Jahren
  • über Trennung spreche ich seit etwa 4 Jahren
  • seit 4,5 Jahren hatten wir keinen Sex
  • ICH hatte gestern Sex

    Hhmm ...

 

Hallo Ich, wer bist du?

Kennst du das vielleicht?

Du lebst dein Leben, bist dir über deine Ziele/Pläne/Wünsche ziemlich im Klaren, hast eventuell sogar Familie und kannst relativ gut vorhersagen, was die nächsten Tage/Wochen/Monate passieren wird.

Du hast Prinzipien, bleibst deinen Moralvorstellungen treu und selbst wenn dich in regelmäßigen Abständen Zweifel befallen, ob das wirklich das Leben ist, das du eigentlich leben könntest/solltest/wolltest, hast du dich damit abgefunden, dass alles so ist, wie es ist. Größere Veränderungen finden nur in deinem Kopf statt.

Tja ... und plötzlich passiert es.
Von einer Sekunde auf die andere geschieht etwas komplett Unvorhergesehenes. Du wirst völlig aus der Bahn geworfen und all deine bisherigen Prinzipien und Glaubenssätze über Bord.

Eben noch auf deinem pupswarmen Sofa, den Ikea-Schrank im alltagsstarren Blick, findest du dich plötzlich in den Fluten eines reißenden Wildbachs wieder und du hast das ungute Gefühl, an dessen Ende könnte ein mächtiger Wasserfall auf dich warten, der dich und alles, was dich bisher ausmachte, unter sich begraben wird und du nie wieder der Mensch wirst sein können, der du bis eben noch warst.

Sicher hast du Schiss, hast ja keine Ahnung, was dich erwartet, gleichzeitig aber spürst du etwas in dir, wovon du nicht einmal mehr geahnt hast, dass es in dir existiert.

Prickelnde Erregung ergreift Besitz von dir, dein Herz pumpt dein Blut viel schneller durch deinen Körper als bisher und du fühlst dich - trotz der Gefahr vor Augen - so lebendig wie schon lange nicht mehr.

Etwas entfernt, aber doch nah genug, dass du danach greifen könntest, schwimmt ein rettender Baumstamm und du weißt, du hast nur diesen einen Moment, dich zu entscheiden - und lässt ihn vorbeischwimmen.

Plötzlich verstummern die Geräusche um dich herum. Du gibst dich der Situation hin, hörst auf, irgendetwas kontrollieren zu wollen und erwartest gespannt, was auch immer da auf dich zukommen mag. Es kann dich nicht mehr als umbringen und sterben müssen wir sowieso ...

* * *

So in etwa geht es mir gerade - mein gemütliches, durchstrukturiertes Leben hat sich in Luft aufgelöst und nichts ist mehr, wie es vor wenigen Wochen noch war.

Ich muss mal irgendwo festhalten, was alles passiert und meinem Hirn auf diese Weise vielleicht wieder etwas Luft verschaffen, mal sehen, wäre jedenfalls wünschenswert. Ich erzähl`s dir einfach. Denk von mir, was du willst.

Eins steht fest: vor nicht allzu langer Zeit hätte ich es verurteilt, sich so zu verhalten, wie ich es gerade tue, aber aus unerfindlichen Gründen habe ich das Gefühl, dass es endlich Zeit wird, dem Leben die Regie zu überlassen und einfach mal zu schauen, was sich so tut - ganz unabhängig von Wert- oder Moralvorstellungen.

Die letzten knapp achtzehn Jahre habe ich mich überwiegend nach den Interessen anderer Menschen gerichtet, habe mich leer und ausgehungert gefühlt und bin wie ein Zombie durch meinen Alltag gewandelt.

Das hat ein Ende.
Ich hab´s nicht gesucht, das Ende - es hat mich von ganz allein gefunden.

Keine Ahnung, was daraus wird, aber ich lasse mich darauf ein. Was auch immer das Ergebnis sein und was auch immer der ein oder andere da draußen davon halten mag.

In diesem Sinne:
Hallo Leben, hier bin ich - 
nimm mich und lass es uns miteinander treiben.